Dieser Hund wurde vermittelt von www.pro-canalba.eu

Mein 'jetziger' Name
Kurt

Mein Name im Tierheim
Potassio

Rasse
Mischling

Geboren ca.
2010

Das ist mein Hund und ich möchte gerne einen neuen Happy End Beitrag hinzufügen

Eintrag vom 21.04.2021
Fortsetzung vom Gute-Laune-Hund

Folgebericht von Frauchen:

Mehr als vier Wochen ist es nun her, dass Kurt hier einzog, doch es kommt mir vor als er sei er schon seit Jahren hier. Auf jeden Fall: Zeit für einen Folgebericht. Meinen ersten Eindruck kann ich bestätigen: dieser Hund ist ein Glücksgriff! Er ist brav, lieb, verschmust, stets gut gelaunt und unendlich dankbar. Sein Alter merkt man ihm nicht wirklich an. Aber selbst wenn es anders wäre – das Alter war ohnehin kein Hinderungsgrund, sondern Absicht. Der Gedanke daran, dass gerade wieder ein braver Altersgenosse von ihm ohne Happy End verstorben ist und dass so viele andere liebe, ältere Hunde im Tierschutz chancenlos dahinvegetieren, ist vor diesem Hintergrund nur schwer zu ertragen. Deshalb macht Kurt gerade bei den diversen Begegnungen unterwegs, die sich auf Grund seiner kommunikativen Art und seines Charmes nicht umgehen lassen, indirekt Werbung für die Älteren. Tatsächlich gibt es kaum jemanden, der nach einem solchen Treffen unbeeindruckt zurückbleibt, so dass man bereits von einer sich etablierenden Fangemeinde sprechen kann. Wer ihn näher kennenlernt, ist soz. hin und weg :-). Natürlich versäume ich es nicht, bei diesen Begegnungen etwas über Tierschutz und den Vorzug älterer Hunde zu erzählen.

Sein absolutes Highlight sind denn auch die Spaziergänge, zu denen er hochmotiviert bei jedem Wetter aufbricht, manchmal sogar in leichtem Galopp. Waren die Rundgänge in den ersten Tagen aufgrund seiner Leibesfülle und der mangelnden Kondition eher bescheiden, so hat er inzwischen mächtig an Tempo und Durchhaltevermögen zugelegt. Selten sind wir weniger als 2 Stunden täglich unterwegs, manchmal auch mehr, ohne dass er so schwer schnauft wie anfangs. Man versucht sich sogar schon mal in sportlichen Disziplinen wie dem Jagen von (imaginären) Mäusen. Jeder Hund wird freudig begrüßt (sofern dessen Herrchen oder Frauchen es akzeptiert). Nach zaghafter Annäherung an den nicht ganz so verträglichen Hund namens Albert wundert sich z.B. dessen Besitzer, dass Albert von Kurt geradezu begeistert ist. Und eine mir bis dato unbekannte Dame möchte ihren viel jüngeren, aber zickigen Rüden Robert am liebsten gegen Kurt eintauschen :-).

Zuhause ist er brav und artig. Nun ja, er hätte gerne, wie bereits erwähnt, ein wenig mehr zu fressen, wobei er nicht bettelt, eher bescheiden „fragt“, ob er denn nicht noch was haben könne (meistens kann er! :-)). Eines Abends war er wohl trotz großzügiger Handhabung seines Diätplans von einer solchen Hungerattacke geplagt, dass er sich in meiner kurzen Abwesenheit über eine achtlos auf den Couchtisch gelegte Packung Schnapspralinen hermachte. Zum Glück bemerkte ich rechtzeitig die seltsamen Geräusche und erwischte ihn beim Aufreißen der Kartonverpackung, so dass der Alkoholgenuss ausblieb :-). 

Wir sind gespannt, welche Überraschungen Kurt noch auf Lager hat – und genießen seine Anwesenheit, die das Leben sehr bereichert .

 

Mail von Kurt ins Canile:

 

Hallo Italien,

ich weiß nun inzwischen, dass ich in einem anderen Land bin, weit weg von Bella Italia, aber mindestens genauso schön – nein schöner. Ihr glaubt nicht, was man hier so alles erlebt. Italien war richtig langweilig dagegen. Es gibt hier Wiesen, die sind so grün, dass man fast geblendet ist. Und die Gerüche erst!  Nicht nur die von den hier ansässigen Artgenossen, nein es gibt hier allerhand Wiesen- Wald- und Wasserbewohner, die ich mir erst mal habe erklären lassen. Schafe, Ziegen, Pferde, Kühe, Wildgänse, Störche, Enten, Mäuse, Eichhörnchen – das hat man doch im Canile nicht gesehen! Die Eichhörnchen habe ich auf meine Jagdliste gesetzt, die sind einfach etwas zu frech. An dem geräuschlosen Anpirschen arbeite ich noch, wobei Frauchen mir meist im Weg ist.  Ihr merkt jedenfalls, ich habe meinen Horizont ungemein erweitert, ebenso wie meine Sprachkenntnisse übrigens. Ja, ich beherrsche einen englischen Ausdruck und mehrere deutsche. Man wird hier gefordert, aber Bildung ist ja unerlässlich, wenn man vom Straßenköter zum bürgerlichen Ausgehhund avanciert. Man muss zwar erst mal artig an der Leine laufen statt rumzustreunern, aber im Gegenzug hat man geregelte hochwertige Mahlzeiten, ein weiches Bett in einem angenehmen Ambiente, u.U. einen Platz auf der Couch (da sind wir noch in Verhandlung), körperliche Zuwendung und Pflege, freundliche Ansprache und – nicht zu unterschätzen – eine funktionierende Altersversorgung. Und an Außenkontakten fehlt es ebenfalls nicht, ganz im Gegenteil. Mit ein wenig Charme, den wir Italiener ja in den Genen haben, einem treuen Augenaufschlag und freundlichem Schwanzwedeln wickelt man hier fast jeden um die Pfote.

Deshalb, Kumpels, präsentiert euch bei Fotosessions von eurer Schokoladenseite, gebt alles bei den Terminen mit den TierschützerInnen, damit ihr bald auch kommen könnt. Ich drück‘ euch die Pfoten!

Ciao,

euer Kurt, ehemals Potassio

 

Eintrag vom 07.04.2021
Kurt - der Gute-Laune-Hund

Hallo Kumpels,

ich schick euch mal `ne Nachricht ins Canile, damit ihr euch keine Sorgen macht. Diese Aktion neulich, als ich eingefangen und in einen rollenden Blechkasten gesteckt wurde, hat mir schon etwas Angst gemacht. Ich saß da drin mit vielen anderen, jeder in einem noch kleineren Kasten, so dass man sich nicht mal beschnüffeln konnte. Und wie lange wir da drin saßen, während der Kasten rollte – es nahm einfach kein Ende. Schließlich hielt das Ding an – ich glaube, zum zweiten oder dritten Mal – und endlich wurde meine Tür geöffnet. Ich durfte mit einer zweibeinigen Begleiterin über einen Hof gehen und dachte schon, jetzt gehen wir endlich ausgiebig spazieren und vielleicht mal was essen. Aber Fehlanzeige: ich wurde in einen kleineren Blechkasten eingeladen, wo ich allerdings etwas mehr Platz hatte. Vorne saßen andere Zweibeiner drin, die mich, ehrlich gesagt, erst mal nicht interessierten. Immerhin konnte ich aus einem Fenster gucken, also eine leichte Verbesserung.

Nach mehr als 2 Stunden kamen wir an. Wo, weiß ich immer noch nicht genau, aber Leute, ich sage euch: es muss das Paradies sein. Oder so eine Art Vorstufe zum Paradies, denn im echten Paradies gibt es sicher etwas mehr zu fressen. Das ist allerdings auch schon der einzige Kritikpunkt. Es gibt hier keinen Futterautomaten, an dem man sich bedienen kann, dafür ist das Essen echt Spitze. Wir haben erst mal einen Spaziergang gemacht, und ich habe tausend fremde Botschaften im Gras (jawohl: Gras!) gelesen und habe selbst einige ausführliche              P-Mails hinterlassen, um zu dokumentieren, dass ich nun hier bin.

Dann gingen wir in ein Haus, wo man mir Wasser und eine Kleinigkeit zu essen reichte. Von da an wurde es immer besser. Man zeigte mir eine kuschelige Decke, man kraulte mir den stattlichen Bauch und erzählte mir dies und das. Ich verstand zwar nichts, aber es war klar, dass es freundlich gemeint war. Ich war ziemlich verwirrt. Sollte ich vielleicht in meinem fortgeschrittenen Alter nochmal eigene Menschen haben? Jedenfalls ging ich nicht auf meine Decke, sondern legte mich vorsichtshalber immer in die Nähe der Zweibeiner, um sie genau im Blick zu haben, falls sie sich davonschleichen wollten. Und immer, wenn sie mich nur ansahen, wedelte ich mit dem Schwanz, was das Zeug hielt. Ich konnte einfach nicht anders als mich wahnsinnig zu freuen. Das war ein Gefühl, sage ich euch! Und das Beste ist, es ist immer noch so laugh.

Seitdem geht es mir blendend. Es gab nur eine unangenehme Situation, die ich lieber vergesse. Ich wurde in eine Wanne gestellt und dann kam Wasser von oben und den Seiten. Mein Fell klebte an mir und ich zitterte, aber nicht vor Kälte. Meine Fluchtgedanken konnte ich leider nicht in die Tat umsetzen, meine Menschen hielten mich nämlich ganz fest. Zum Glück dauerte es nicht lange, und danach waren alle noch netter zu mir und ich bekam eine Belohnung für besondere Tapferkeit.

Zum Schluss will ich euch noch was Wichtiges sagen: haltet durch und habt keine Angst, wenn man euch in den Blechkasten setzt. Am Ende einer langen Fahrt wartet ein wunderbares Leben auf euch. Freunde, wenn ich es in meinem Alter und mit meiner (wie böse Zungen behaupten) nicht ganz vorteilhaften Figur geschafft habe, ein Zuhause zu finden, dann muss es doch noch andere Zweibeiner geben, die euch auch so nehmen und mögen wie ihr seid und euch ein Ticket ins Paradies spendieren. Ich drück‘ euch jedenfalls ganz fest die Daumen,

euer Potassio/ Kurt

 

Anmerkung von Frauchen:

Es gehört schon ein wenig Mut dazu, einen alten Hund, dessen Beschreibung nicht überprüfbar ist, zu adoptieren. Nach den Fotos und Videos zu urteilen, handelte es sich um ein liebenswertes Exemplar seiner Gattung, und so ging ich das Wagnis ein, denn ich wollte unbedingt einem Hund eine Chance geben, der von mehr als 90% der Adoptanten auf Grund seines Alters schon im Vorfeld aussortiert wird. Nach mehr als zwei Wochen mit Potassio/Kurt kann ich sagen, dass wir – abgesehen von ein paar offenbar kleineren gesundheitlichen Baustellen – so etwas wie einen Traumhund bekommen haben. Wie alle älteren Hunde ist er unglaublich dankbar, er freut sich, wenn wir ihn nur anschauen oder ansprechen und zeigt dies mit heftigem Schwanzwedeln an. Mit Artgenossen ist er vollkommen lieb und verträglich. Dass hier Hunde an einer Leine an ihm vorbeigeführt werden, versteht er zwar immer noch nicht ganz, da er sie allesamt gerne persönlich begrüßen möchte, doch akzeptiert er staunend alles Neue. Auch wenn seine Kondition nach 8 Jahren Inhaftierung ohne Freigang noch zu wünschen übrig lässt, so genießt er mit großer Freude jeden Spaziergang, wobei er gut leinenführig ist – zumindest auf dem Hinweg und wenn kein Hund in der Nähe ist.  Auf dem Rückweg legt er gerne einen Stopp ein, plant einen Umweg oder mimt eben mal einen kleinen Schwächeanfall. Da kommt wohl das Streunerblut durch wink. Zuhause gibt er sich Mühe, alles richtig zu machen und versprüht gute Laune. Er ist von Anfang an absolut stubenrein, bleibt alleine, ohne die Wohnung umzudekorieren und fügt sich problemlos in den Alltag ein. Sein Diätfutter (er ist eindeutig zu dick cheeky) verspeist er mit Genuss.

Wir hoffen, dass dieser brave, liebe Hund noch einige wunderschöne Jahre nach all den Entbehrungen hier verbringen darf. Aber dennoch: selbst wenn sein Aufenthalt bei uns nur von kurzer Dauer wäre: er hätte sich schon gelohnt!